Boxenstopp mit Arnd Franz
Batterie-Reparatur wird zu einem Geschäftsmodell
12. Mai 2022 agvs-upsa.ch – Spannende Persönlichkeiten berichten in der Rubrik Boxenstopp über Aktualität und Strategien aus der Autobranche. Die Elektromobilität sei der Totengräber der Garagen, wird gerne behauptet. Arnd Franz, CEO des Ersatzteilgrosshändlers LKQ Europe, sieht indes auch Chancen für Garagisten.
Quelle: AGVS-Medien
srh. Herr Franz, Sie rechnen damit, dass eine Batterie nach 8 bis 12 Jahren das erste Mal repariert werden muss. Kann der Garagist diese Reparaturarbeiten vornehmen?
Arnd Franz (CEO LKQ Europe): Das ist eine gute Frage und muss je nach Hersteller unterschiedlich beantwortet werden. Gewisse Hersteller ersetzen lieber die komplette Batterie, weil es für sie während der Garantiezeit die kostengünstigste Lösung ist. Bisher gab es fast ausschliesslich Batterieausfälle unter Garantie, die meist für Batterien bis zu acht Jahren gilt. Das wird sich in Zukunft ändern. Die BEV werden älter und die Garantie läuft ab. Dann muss der Endverbraucher, also der Automobilist, nach einer ökonomisch attraktiven Lösung suchen, damit sein Fahrzeug wieder eine Reichweite von 300 km erreicht. Hier dürfte die Reparatur zu einem interessanten Geschäftsmodell für freie Garagen werden. In den nächsten fünf Jahren mag dies noch eine untergeordnete Rolle spielen, jedoch rechnen wir damit, dass 2030 rund 1,1 bis 1,4 Millionen Batterien in Europa zu reparieren sind. Das kann heissen, die komplette Batterie austauschen oder nur einzelne Komponenten wie ein ungleichmässig degradiertes Batteriemodul wechseln. Letzteres bedeutet: Diagnostizieren, Problem über das Batterie-Management-System lokalisieren, Batterie öffnen, Modul tauschen, Batterie wieder verschliessen, Dichtheit und Funktion prüfen. Damit kann der Garagist dem Kunden rund 4000 Franken in Rechnung stellen.
In welche Richtung zeigen die Tendenzen bei Batterie-Reparaturen? Muss ich mich als Garagist an den Autohersteller oder an einen Batterieproduzenten wenden?
Es wird Lösungen im freien Markt geben. Wir haben Betriebe, die Batterien wieder instand setzen. Wir konzentrieren uns im Moment auf Metallhydrid aus Vollhybrid-Autos von Toyota, Honda und Hyundai. Das sind kleinere Batterien mit einigen kWh Kapazität. In naher Zukunft werden wir auch Lithium-Ionen-Batterien instand setzen können. Das dürfte deutlich kostengünstiger sein, als die ganze Batterie auszutauschen.
2027 stehen die ersten Batterie-Reparaturen ausserhalb der Garantie an. Für den Garagisten bedeutet dies, sich jetzt weiterzubilden, um im Jahr 2027 bereit zu sein?
Früher! Ein grosser Teil der Garagen in der Schweiz sind Markenvertretungen. Schon heute kommen Fahrzeuge mit defekten Batterien in deren Werkstatt. Da stellt sich die Frage: Was mache ich mit der Batterie?
Und was mache ich mit dieser?
Man kann das Auto zum Hersteller schicken oder man bildet sich weiter und hat die notwendigen Qualifikationen, um die Batterie-Reparatur selbst vorzunehmen. Dafür braucht es ein Level-3-Hochvolt-Zertifikat als Mechatroniker. Die Arbeit an sich ist nicht komplex, aber es braucht die nötige Ausbildung, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und das passende Werkzeug. Die verbauten Batterien sind ziemlich gross und bestehen aus unterschiedlichen Modulen, die wiederum aus einer grossen Anzahl von Zellen bestehen. Die Spannung in all diesen Zellen muss ausbalanciert sein, bevor das Bauteil ausgetauscht wird. Und das neue Modul, das eingebaut wird, muss wiederum die gleiche Spannung aufweisen wie die anderen Module. Dafür braucht der Garagist ein Gerät, das rund 3000 bis 4000 Franken kostet. Nach dem Zusammenbau der Batterie ist ein Lecktest respektive eine Druckdifferenzprüfung nötig. Weil die Batterie gross ist und sich je nach Temperatur ausdehnt oder zusammenzieht, sind wasserdichte Belüftungsventile nötig. Das sind Arbeiten, die ein Garagist durchführen kann. Er muss aber darauf vorbereitet sein und das entsprechende Werkzeug in der Garage haben. Ich kann aber verstehen, wenn sich ein Garagist mit einem Mehrmarkenbetrieb nicht für jede Marke die entsprechenden Werkzeuge anschaffen will.
Bisherige Artikel der Serie Boxenstopp:
Quelle: AGVS-Medien
srh. Herr Franz, Sie rechnen damit, dass eine Batterie nach 8 bis 12 Jahren das erste Mal repariert werden muss. Kann der Garagist diese Reparaturarbeiten vornehmen?
Arnd Franz (CEO LKQ Europe): Das ist eine gute Frage und muss je nach Hersteller unterschiedlich beantwortet werden. Gewisse Hersteller ersetzen lieber die komplette Batterie, weil es für sie während der Garantiezeit die kostengünstigste Lösung ist. Bisher gab es fast ausschliesslich Batterieausfälle unter Garantie, die meist für Batterien bis zu acht Jahren gilt. Das wird sich in Zukunft ändern. Die BEV werden älter und die Garantie läuft ab. Dann muss der Endverbraucher, also der Automobilist, nach einer ökonomisch attraktiven Lösung suchen, damit sein Fahrzeug wieder eine Reichweite von 300 km erreicht. Hier dürfte die Reparatur zu einem interessanten Geschäftsmodell für freie Garagen werden. In den nächsten fünf Jahren mag dies noch eine untergeordnete Rolle spielen, jedoch rechnen wir damit, dass 2030 rund 1,1 bis 1,4 Millionen Batterien in Europa zu reparieren sind. Das kann heissen, die komplette Batterie austauschen oder nur einzelne Komponenten wie ein ungleichmässig degradiertes Batteriemodul wechseln. Letzteres bedeutet: Diagnostizieren, Problem über das Batterie-Management-System lokalisieren, Batterie öffnen, Modul tauschen, Batterie wieder verschliessen, Dichtheit und Funktion prüfen. Damit kann der Garagist dem Kunden rund 4000 Franken in Rechnung stellen.
In welche Richtung zeigen die Tendenzen bei Batterie-Reparaturen? Muss ich mich als Garagist an den Autohersteller oder an einen Batterieproduzenten wenden?
Es wird Lösungen im freien Markt geben. Wir haben Betriebe, die Batterien wieder instand setzen. Wir konzentrieren uns im Moment auf Metallhydrid aus Vollhybrid-Autos von Toyota, Honda und Hyundai. Das sind kleinere Batterien mit einigen kWh Kapazität. In naher Zukunft werden wir auch Lithium-Ionen-Batterien instand setzen können. Das dürfte deutlich kostengünstiger sein, als die ganze Batterie auszutauschen.
2027 stehen die ersten Batterie-Reparaturen ausserhalb der Garantie an. Für den Garagisten bedeutet dies, sich jetzt weiterzubilden, um im Jahr 2027 bereit zu sein?
Früher! Ein grosser Teil der Garagen in der Schweiz sind Markenvertretungen. Schon heute kommen Fahrzeuge mit defekten Batterien in deren Werkstatt. Da stellt sich die Frage: Was mache ich mit der Batterie?
Und was mache ich mit dieser?
Man kann das Auto zum Hersteller schicken oder man bildet sich weiter und hat die notwendigen Qualifikationen, um die Batterie-Reparatur selbst vorzunehmen. Dafür braucht es ein Level-3-Hochvolt-Zertifikat als Mechatroniker. Die Arbeit an sich ist nicht komplex, aber es braucht die nötige Ausbildung, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und das passende Werkzeug. Die verbauten Batterien sind ziemlich gross und bestehen aus unterschiedlichen Modulen, die wiederum aus einer grossen Anzahl von Zellen bestehen. Die Spannung in all diesen Zellen muss ausbalanciert sein, bevor das Bauteil ausgetauscht wird. Und das neue Modul, das eingebaut wird, muss wiederum die gleiche Spannung aufweisen wie die anderen Module. Dafür braucht der Garagist ein Gerät, das rund 3000 bis 4000 Franken kostet. Nach dem Zusammenbau der Batterie ist ein Lecktest respektive eine Druckdifferenzprüfung nötig. Weil die Batterie gross ist und sich je nach Temperatur ausdehnt oder zusammenzieht, sind wasserdichte Belüftungsventile nötig. Das sind Arbeiten, die ein Garagist durchführen kann. Er muss aber darauf vorbereitet sein und das entsprechende Werkzeug in der Garage haben. Ich kann aber verstehen, wenn sich ein Garagist mit einem Mehrmarkenbetrieb nicht für jede Marke die entsprechenden Werkzeuge anschaffen will.
Bisherige Artikel der Serie Boxenstopp:
- Sandro Piffaretti, VR-Präsident SAG
- Léa Miggiano, Co-Gründerin Carvolution
- Reto Cavegn, ehemaliger Geschäftsführer TCS Sektion Zürich
- Frank Ammann, Geschäftsführer Kumschick Sports Cars AG
- Thomas Ingenlath, CEO Polestar
- Thomas Schäfer, Vorstandsvorsitzender von Skoda
- Volker Wistorf, Leiter Anwendungstechnik bei der André Koch AG
- Thomas Rücker, Managing Director Iveco (Schweiz) AG
- Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender BMW AG
- Arnd Franz, Europachef LKQ
- Jvan Hutter, Leiter Business Management / Controlling Figas
- Michael Jost, bis April 2021 Chief Strategy Officer Volkswagen
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